Vom wortlosen Ja, vom klaren Nein und von der Freiheit, die daraus entsteht...
Konsens auf der Tanzfläche
Vom wortlosen Ja, vom klaren Nein und von der Freiheit, die daraus entsteht
Seit sieben Jahren gestalten wir bei Ecstatic Dance Räume, in denen es um Bewusstsein und Grenzen geht. Wenn wir in dieser Zeit eines gelernt haben, dann dies: Unsere Richtlinien sind nicht das Gegenteil von Freiheit. Sie sind das Fundament, damit sich jeder Mensch bei uns frei fühlen kann...
Nur in einem Raum, dem ich wirklich traue, kann ich mich fallen lassen. Je wilder wir werden wollen, desto mehr Halt braucht der Raum darunter. Konsens ist genau dieser Halt. Er ist keine Bremse für die Ekstase, sondern ihre Voraussetzung.
Auf der Tanzfläche sprechen wir kaum. Die Musik trägt, Begegnung geschieht ohne Worte. Deshalb muss Konsens verkörpert werden, nicht nur im Kopf.
Die Einladung
Kontakt beginnt mit einem Angebot. Eine offene Hand, ein Blick, eine langsame Annäherung. Entscheidend ist, dass dieses Angebot echt ablehnbar bleibt. Eine Einladung, die kein Nein zulässt, ist keine Einladung mehr, sondern eine Erwartung.
Gib der anderen Person Zeit und Raum zu antworten. Dränge nicht in ihre Bewegung hinein. Ein guter Kontakt entsteht langsamer, als der Impuls es gern hätte.
Das Ja, das sich bewegt
Ein Ja ist mehr als das Fehlen eines Neins. Unter Anspannung erstarren manche Körper oder machen mit, um nicht anzuecken. Stille ist deshalb kein Ja. Ein Wegsehen ist kein Ja. Ein höfliches Mitmachen ist kein Ja.
Wir warten auf ein Ja, das sich uns zuwendet. Ein Körper, der sich öffnet, der zurückspiegelt, der bleibt. Wenn du dieses Ja nicht spürst, ist die Antwort schon da.
Das Nein, das nichts kaputt macht
Ein Nein braucht auf der Tanzfläche keine Erklärung. Du darfst dich abwenden, eine Hand heben, die Augen schließen, einfach weitertanzen.
Und ein Nein zum Tanz ist kein Nein zum Menschen. Wer das verinnerlicht, kann leichter ablehnen und leichter abgelehnt werden. Ein Nein anmutig zu empfangen, ohne Kränkung, ohne Rückzug ins Beleidigtsein, gehört zur reifen Präsenz genauso dazu wie das Einladen.
Wach für den anderen
Konsens ist nicht nur die Frage, die ich stelle, sondern das Zuhören danach. Achte auf das Feine. Ein Körper, der still wird oder sich kleiner macht. Ein Blick, der ausweicht. Eine Bewegung, die plötzlich mechanisch wird.
Im Zweifel löse ich. Lieber ziehe ich mich einen Moment zu früh zurück als einen Moment zu spät. Diese Bereitschaft, loszulassen, ist kein Verlust. Sie ist das, was Vertrauen überhaupt erst entstehen lässt.
Zuerst bei dir selbst
Bevor du dich einem anderen Körper zuwendest, spüre deinen eigenen. Was ist gerade dein Ja, was dein Nein? Wer die eigene Grenze nicht fühlt, kann die des anderen kaum lesen. Konsens beginnt als Beziehung zu sich selbst und wird von dort aus zur Beziehung im Raum.
Grenzen und Hingabe sind Verbündete
All das ist kein Aufruf, vorsichtig und im Kopf zu tanzen. Das Gegenteil ist gemeint. Wenn der Boden sicher ist, musst du nicht mehr aufpassen. Du kannst aufhören zu beobachten und anfangen zu fließen.
Das ist der Kern dessen, wofür wir seit sieben Jahren stehen. Nicht Kontrolle, sondern ein Feld, in dem Hingabe möglich wird. Die klarste Grenze und die tiefste Ekstase schließen sich nicht aus. Sie brauchen einander.
Lass uns so tanzen. Wach füreinander, frei in uns selbst, getragen von einem Raum, dem wir trauen.
Ecstatic Dance Cologne



